Konzept für ein Schulhundprojekt

Vorgelegt von Dajana Leverenz im August 2014

Schulhund Mila
Schulhund Mila

 

Gib dem Menschen einen Hund
und seine Seele wird gesund.

Hildegard von Bingen

1. Einführung

Der Mensch hat bereits vor etwa 12000 bis 14000 Jahren junge Wölfe als Haustiere domestiziert, um sie als Helfer bei der Jagd einzusetzen und das eigene Leben zu bereichern. Aus ihnen entwickelten sich die Hunde, das erste Haustier des Menschen.

Haustiere sind in der Lage, durch ihre Anwesenheit und die unvoreingenommene Zuwendung dem Menschen gegenüber das Wohlbefinden des Menschen zu steigern. Ein Hund kann allein durch seine Anwesenheit innerhalb einer Klasse die Atmosphäre im Schulalltag positiv beeinflussen. Die Schüler erfahren im Rahmen tiergestützter Pädagogik eine ganzheitliche Entwicklungsförderung.

 

2. Positive Auswirkungen beim Einsatz eines Schulhundes

In der Fachliteratur gibt es inzwischen eine Vielzahl von Berichten und Untersuchungen, die verschiedene positive Auswirkungen des Einsatzes eines Schulhundes auf die Klasse als Gesamtgefüge und auf die einzelnen Kinder dokumentieren. Hierzu zählt sowohl die Verbesserung der Lernatmosphäre durch die Anwesenheit eines Hundes für die gesamte Klasse als auch die Möglichkeit für den einzelnen Schüler, die einzelne Schülerin Erfahrungen im Umgang mit einem Haustier, hier einem Hund, zu sammeln und gegebenenfalls Ängste abzubauen sowie die eigenen sozialen und emotionalen Kompetenzen zu erweitern. Die Tatsache, dass der Hund den Menschen in seinem Umfeld unvoreingenommen und wertfrei begegnet, stärkt die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und fördert das Selbstbewusstsein. Darüber hinaus schafft der Hund, durch seine Präsenz Lernmotivation und Konzentration zu steigern. Nicht zuletzt kann sich die Anwesenheit eines Schulhundes positiv auf das Kommunikationsverhalten der Schülerinnen und Schüler auswirken.

 

schulhund

2.1. Förderung der Lernatmosphäre

Eine Untersuchung von Kotrschal & Ortbauer (2001) hat gezeigt, dass die freie Interaktion mit Hunden „den sozialen Zusammenhalt der Klasse und die Aufmerksamkeit in Richtung Lehrkraft verbesserte und lautes, auffälliges und aggressives Verhalten“ gedämpft wurde. Hunde können die Atmosphäre im Klassenzimmer positiv beeinflussen. Aus einer weiteren Studie von 2003 geht hervor, dass Schülerinnen und Schüler die Schule lieber besuchten, wenn ein Schulhund in der Klasse war. Sie verhielten sich weniger laut und waren aufmerksamer. Es ließ sich beobachten, dass zurückhaltende, ruhige Kinder aus ihrer Isolation gelockt wurden und, dass eher verhaltensauffällige Kinder weniger auffällig waren. Die Anwesenheit eines Schulhundes initiierte vermehrt positive Sozialkontakte.

 

2.2. Praktische Übungen mit Haustieren

 Wenn ein Hund am Schulalltag teilnimmt, haben auch Kinder, die zu Hause keinen Umgang mit Haustieren haben, die Chance zu lernen, welche Bedürfnisse ein Haustier mit sich bringt. Sie können in kleinen Teilen Verantwortung bei der Versorgung des Tieres übernehmen. Durch diese Erfahrungen bekommen auch Kinder ohne eigene Haustiere mit der Zeit ein Gespür für die Bedürfnisse des Hundes und lernen die Körpersprache des Hundes kennen.

Wenn der Hund in den Schulalltag integriert wird, verliert er mit der Zeit die Sonderstellung eines Besuchstieres, das z.B. nur einmal bei einem Projekt zum Thema „Haustiere“ eingeladen wird. Dadurch werden die Erfahrungen intensiviert und das Gelernte kann sofort angewendet werden.

Weiterhin ist es für die einzelnen Schülerinnen und Schüler möglich, die Intensität des Kontaktes zu dem Tier selbst zu bestimmen. Auch ängstliche Kinder können durch das ruhige und unaufdringliche Verhalten des Schulhundes langsam und im eigenen Tempo zu ihr Kontakt herstellen und positive Erfahrungen sammeln. Dadurch können behutsam Ängste gegenüber Tieren im Allgemeinen und Hunden im Speziellen abgebaut werden.

Die Schülerinnen und Schüler lernen Verhaltensregeln exemplarisch kennen und anwenden, die sich auf viele Tiere übertragen lassen. Auch Kinder, die wegen ihres Glaubens Hunde als unrein ansehen, können ihre Ängste mit dieser Tierart abbauen, ohne einen direkten körperlichen Kontakt mit dem Hund aufnehmen zu müssen.

 

2.3. Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenz

Der überwiegende Teil wissenschaftlicher Untersuchungen zum Bereich hundegestützte Pädagogik beschäftigt sich mit den sozial – emotionalen Aspekten. Nach Nienke Endenburg ist die „soziale Unterstützung durch Tiere unbestritten.“ Es wurde beobachtet, dass sich besonders der Umgang mit Hunden positiv auf die emotionale Entwicklung des Menschen auswirkt und, dass der Hund dabei als sozialer Katalysator wirkt.

Durch regelmäßigen Kontakt zum Schulhund kann sich eine stabile Bindung entwickeln, die Basis sozialer und emotionaler Kompetenzen. Laut Beetz (2003), kann man soziale Kompetenzen beschreiben als „Wissen über die soziale Welt, das Interesse an und Sorge um andere Menschen, die Fähigkeit zu sozialer Interaktion, empathische Fähigkeiten, emotionaler Ausdruck anderer und nicht zuletzt soziale Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein.“ Emotionale Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Emotionen auszudrücken, zu verstehen und entsprechend zu interpretieren. Gerade in der Lebenswirklichkeit von Menschen mit Beeinträchtigungen, ist es von großer Bedeutung, dass der Hund durch sein vorurteilsfreies Verhalten ein Gefühl uneingeschränkter Akzeptanz vermittelt und dabei auch auf non-verbales, intuitives Verhalten reagiert. Das Kind erwirbt in der konkreten Lebenssituation Regeln im Umgang mit einem Lebewesen, Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme und gegenseitige Anerkennung. Das Gelernte kann sich zukünftig nicht nur auf der Mensch – Tier – Ebene, sondern auch auf zwischenmenschliche Beziehungen positiv auswirken.

 

3. Voraussetzungen für den Einsatz des Schulhundes Mila

Der Einsatz des Schulhundes Mila erfolgte in Absprache mit dem Lehrerkollegium und dem nichtpädagogischem Personal.

Danach wurde die Gesamtkonferenz der Heinrich-Schüren-Schule informiert und im Schulvorstand erfolgte anschließend die Abstimmung. In allen Gremien war die Meinung einstimmig zu diesem Vorhaben. Keiner leidet an einer starken Hundeallergie. Vor einem Einsatz in einer Klasse wird jeweils die Elternschaft schriftlich zu diesem Thema befragt werden, wobei alle ihr Einverständnis erklären müssen.

Milas Tierarzt wurde informiert. Auch aus seiner Sicht sprach nichts gegen unser Schulhundprojekt. Mila wird in regelmäßigen Abständen dem Tierarzt vorgestellt, erhält alle notwendigen Impfungen und unterzieht sich regelmäßigen Wurmkuren.

Die Versicherung LVM wurde informiert und übernimmt eventuell anfallende Kosten  für den Schulhund Mila.

Die Anwesenheit des Hundes wird an der Schultür ausgewiesen, sowie an den jeweiligen Räumen in denen sich Mila aufhält. Mila erhält eine Schuluniform.

Auf der Schul-Homepage wird das Konzept für alle lesbar veröffentlicht werden.

Unser zuständiger Dezernent Herr Rath-Groneick und der Schulträger, die Stadt Osnabrück werden informiert werden.

 

3.1. Wesensvoraussetzungen für einen Schulhund

Es gibt einige grundsätzliche Wesensvoraussetzungen für einen Schulhund (nach Retzlaff 2002):

  • Der Hund darf weder schreckhaft noch ängstlich sein
  • Der Hund soll aggressionsfrei sein
  • Der Hund darf bei Menschenansammlungen (z.B. auf dem Schulhof, im Flur, in der Klasse, im Lehrerzimmer) nicht ängstlich reagieren
  • Der Hund muss in ungewohnten Situationen ruhig und gelassen bleiben
  • Der Hund muss schon einen Grundgehorsam haben (Besuch einer Hundeschule)

 

3.2. Hygienische und gesundheitliche Vorsorge

Es gibt unterschiedliche Aspekte zur Hygiene, die bei einem Einsatz von Tieren beachtet werden sollten, um Infektionskrankheiten weitestgehend auszuschließen. Ich achte sehr auf die gesundheitliche Vorsorge von Mila. Sie erhält in regelmäßigen Abständen eine Wurmkur als Vorsorge gegen Parasitenbefall, sowie jährlich die nötigen gängigen Impfungen. Außerdem findet mindestens einmal pro Jahr eine Allgemeinuntersuchung im Rahmen der Vorsorge statt.

 Es gilt für alle die Regel, dass nach dem Kontakt mit Mila immer die Hände gewaschen werden müssen. Dafür stehen Seife und Handtücher in den Klassen bereit, ebenso Gummihandschuhe und ein desinfizierendes Reinigungsspray.

Während der Frühstückszeit darf der Hund nicht frei in der Klasse herum laufen, um den Kontakt des Tieres mit Lebensmitteln zu vermeiden. Daher darf sie auch nicht die Küchen oder die Speiseräume des Hortes betreten.

3.3. Umgangsregeln mit dem Hund

Da Mila regelmäßig die Hunde-AG besucht und sich im Schulgebäude aufhält, gelegentlich auch in einem Klassenraum eine Lerngruppe besucht, gibt es feste Regeln. Diese Regeln werden in den Klassen besprochen und in der Pausenhalle, als Zentrum der Schule auf Plakaten ausgehängt.

Folgende Regeln sind verbindlich:

Falls du mir begegnest, beachte bitte folgende Regeln:

1) Sei bitte leise und gehe langsam!
2) Frag bitte vor dem Streicheln Frau Leverenz!
3) Mich darf immer nur ein Kind streicheln!
4) Nach dem Streicheln immer die Hände waschen!
5) Gib mir ohne Erlaubnis keine Kommandos!
6) Ich darf nur meine eigene Hundenahrung fressen!
7) In unserem Schulleiterbüro möchte ich nicht gestört werden!

 

4. Mila als Schulhund im Unterricht an der HSS und im Rahmen einer Hunde-AG

Mila ist eine vier Jahre alte Golden-Retriever Hündin aus der Zucht von Familie Welpinghaus in Melle. Mila ist besonders ruhig und ausgeglichen. Sie mag den Kontakt zu Kindern und Erwachsenen, ist zu allen freundlich und geduldig, was sich auch täglich im Umgang mit meinem Sohn und Nachbarskindern zeigt. Sie erträgt Lärm und Unruhe mit stoischer Gelassenheit, verhält sich bei Bedrängung sowie ungewohnten Situationen defensiv oder zieht sich aus dem Geschehen zurück. Auf Grund dieser Eigenschaften eignet sich Mila sehr gut für den Einsatz als Schulhund. Sie hat ein ungewöhnlich feines Einfühlungsvermögen in menschliche Bedürfnisse und Empfindungen, daher werden Golden Retriever  immer wieder gern in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen als Therapiehunde eingesetzt.

Mila hat mehrere Kurse in Hundeschulen gemacht, Grundgehorsam, Agility und Trailingausbildungen absolviert.

Mila hat schon eine kleine Eingewöhnungsphase in meinem Schulbüro hinter sich gebracht und wird nun langsam an das Schulleben gewöhnt. Wir fangen mit einer Hunde-AG an, die einmal wöchentlich in unserem Pavillon und auf dem Schulhof stattfindet. Als zweiten Schritt werden wir einzelne Klassen im Unterricht besuchen, wo sie ohne Leine in der Klasse in die freie Interaktion gelassen wird, wo sie selbst bestimmen wird, zu welchem Kind sie geht.

 

5. Literatur

HuPäSch: Lydia Agsten: Hunde in die Schulen-und alles wird gut? (2009)
 Kotrschal,K. und Ortbauer,B.: Behavioral effects of the presence of a dog in a classroom (2003)
 Olbrich,E. und Otterstedt,C.: Menschen brauchen Tiere, Kosmos Stuttgart (2003)
 Retzlaff,B.: Schule mit Jule macht Spaß.(2002)
 Nienke Endenburg: Universität Utrecht - Department of animals in Science
 www.schulhundweb.de